Rassestandards sind Arbeitsdokumente, keine Andachtsbilder. Wer sie in Hamburg auslegen will, muss messen, vergleichen und Konflikte benennen — zwischen FCI-Standard, Clubpräzisierung und dem Hund, der tatsächlich im Ring steht. Prüfungspilot Breeding & Judge Standards trainiert genau diese Auslegung.

Ein Standard beschreibt ein Ideal. Der Ring bewertet Annäherung. Dazwischen liegen Übersetzung, Tradition und manchmal Wunschdenken. Wir zwingen die Übersetzung auf den Tisch: Welche Punkte sind disqualifizierend, welche sind Typ, welche sind Mode? Ohne diese Trennung wird aus Richterarbeit Geschmack.
Was eine belastbare Auslegung braucht
| Ebene | Quelle | Typische Falle |
|---|---|---|
| FCI-Standard | Offizielle Übersetzung / Original | Veraltete Clubfassung im Umlauf |
| Clubkommentar | Rassenspezifische Präzisierung | Wird wie Gesetz gelesen |
| Messprotokoll | Stockmaß, Brusttiefe, Winkel | Messfehler durch Aufregung |
| Ringpraxis | Bewegung, Stand, Zeitdruck | Idealbild verdeckt Funktionsmangel |
Wir führen Standardtage als geschlossene Seminare: eine Rasse oder eine klar begrenzte Gruppe, lebende Hunde, Skizzen, Stoppuhr. Teilnehmende verlassen den Raum mit einer kommentierten Standardkarte, nicht mit einem Motivationsspruch. Wer mehrere Rassen parallel „mitnehmen“ will, unterschätzt die Tiefe — wir lehnen das ab und verweisen auf aufeinanderfolgende Module.
Konfliktfälle, die wir regelmäßig durchspielen
Farbe versus Konstruktion. Größe versus Typ. „Rasseüblich“ versus disqualifizierend. Wir nehmen echte, anonymisierte Ringprotokolle und lassen Sie schriftlich entscheiden. Anschließend vergleichen wir Ihre Begründung mit einer Musterakte von Prof. Dr. Henrik Lindemann. Abweichung ist erlaubt, Beliebigkeit nicht.
Diese Arbeit koppelt sich natürlich an die Richterausbildung: ohne Standard keine Note. Sie koppelt sich ebenso an Gutachten, weil Gerichte und Zuchtkommissionen dieselbe Sprache verlangen. Unser Glossar liefert die Nomenklatur, der Seminartag die Anwendung.
Lehrgangsmodule
Kartierung des Standards
Sätze in Messpunkte, Funktionspunkte und Disqualifikationen zerlegen. Markieren, was im Ring in 30 Sekunden prüfbar ist.
Lebender Abgleich
Zwei bis vier Hunde derselben Rasse, unterschiedliche Qualität. Sie erstellen eine Rangfolge mit Zwei-Satz-Begründung.
Übersetzungskritik
DE/EN/FR-Fassungen, wo relevant. Was die Übersetzung verschiebt, was der Originalsatz meint.
Mode versus Funktion
Zehn Jahre Ringfotos einer Rasse. Welche Trends den Standard verlassen haben und wie Sie das benennen.
Messwerkzeug gehört auf den Tisch, nicht in die Schublade. Stockmaß, Bandmaß, Winkellehre — und die Demut, dass ein gestresster Hund falsch steht. Wir üben das Ruhigstellen ohne Gewalt und das Dokumentieren, wenn eine Messung unmöglich ist. Lieber eine Lücke im Protokoll als eine erfundene Zahl.
Hamburg eignet sich als Standort, weil norddeutsche Zuchten viele FCI-Gruppen in erreichbarer Distanz halten. Dummy-Hunde rotieren; kein Hund arbeitet zwei volle Seminartage hintereinander. Das ist teurer und richtig.
Einsatzgebiet in Hamburg
Standard-Seminare am Harvestehuder Weg sind für Züchter und Anwärter aus diesen Stadtteilen ohne langen Anfahrtsstau erreichbar:
- Harvestehude
- Rotherbaum
- Eppendorf
- Winterhude
- Altona-Altstadt
- Eimsbüttel
- Uhlenhorst
- Blankenese
Häufige Fragen
Arbeiten Sie den FCI-Standard oder den Clubstandard?
Beides, klar getrennt. Maßgeblich für internationale Schauen ist der FCI-Text; Clubtexte behandeln wir als Kommentar.
Kann ein Züchter ohne Richterambition teilnehmen?
Ja. Viele Zuchtwarte buchen genau dieses Modul, um Körprotokolle präziser zu schreiben.
Wie aktuell sind Ihre Standardtexte?
Wir arbeiten mit der jeweils vom Auftraggeber genannten Fassung und kennzeichnen das Datum im Skript.
Gibt es Hausaufgaben?
Ja: kommentierte Standardkarte und zwei schriftliche Begründungen vor dem Präsenztag.
Prüfungspilot Breeding & Judge Standards
Ihr Ansprechpartner: Prof. Dr. Henrik Lindemann
Harvestehuder Weg 41
20149 Hamburg
Telefon: +49 40 3691 2740
E-Mail: [email protected]